III. Magdalenenstraße 30, 1.OG Mitte, Bonn-Endenich, 1 Zimmer, Küche, Diele, Bad
Ansicht Bild
Gelb ist die dritte Arbeit Detlef Beers im Projekt „Bild mit Wohnung“. Ein stark verdünntes Cadmiumgelb, ein kleines Hochformat – zart und zurückgenommen. Die Leinwand scheint durch. Der Farbwechsel folgt dem Raumwechsel, da der Künstler dieses Mal die Küche zu seinem Wunschraum gewählt hat.
Direkt in den hellgelben Rahmen eingelassen ist das fensterartige Rechteck, dessen graue Konturen zusätzlich von einem stark verdünnten Chromoxydgrün begleitet werden. Der obere Rand schließt dabei fast „deckelartig“ ab. Im Fenster treffen wir wieder auf die grauen, bekannten Pinselschwingungen, die aber viel verhaltener als zuvor sind. Kleine Auslassungen wirken wie langsam vergehende Spuren.
Stilleben
Mit der Küche hat Detlef Beer – der eigenen Erinnerung folgend – das Thema Stilleben assoziiert. Doch er hat nicht unsere Erwartung eines klassischen Stillebens - zum Beispiel mit Früchten - bedient, sondern eine ganz eigene, vollkommen abstrakte Ausdeutung gefunden. Dabei folgt die Arbeit den Vorgaben des „Themas“ durch eine ruhige Bildkomposition und herausgenommene Dynamik. Nebeneinandergesetzte Rhythmen lassen den Blick des Betrachters völlig „unaufgeregt“ über die Bildoberfläche gleiten.
Mit Licht und Lineal
Die scharfen Seitenbegrenzungen hat der Künstler mit dem Lineal gezogen. Kastenähnlich gebaut, liegt das Fenster mittig im Bild, leicht nach oben verschoben. Gerade mit dieser Arbeit gelingt es Beer, besonders starke Tiefen- und Schichtenwirkungen zu erzeugen. Diese werden noch einmal betont durch das Nachmittagslicht, das in die Küche fällt.
Alle Wirkungen sind vom Künstler bewusst gesetzt und keine Zufallsprodukte. Er hat sich intensiv mit der Wohn-Raum-Situation auseinandergesetzt, Licht und Schatten verfolgt, den Ort ausgelotet und erspürt. So fällt er die Entscheidung für das richtige Bild am richtigen Ort , und in der Magdalenenstraße 30 konnte es nur eine Arbeit in zartem Cadmiumgelb in der Küche sein.
Dr. Barbara Hausmanns