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II. Lutfridstraße 7, 1.OG rechts, Bonn-Endenich, 5 Zimmer, Küche, Diele, Bad

Ansicht Bild

Detlef Beer ist umgezogen - mit Leinwand, Farbe und Pinseln. Angekommen ist er diesmal im 2. Stock in der Lutfridstr. 7. Dort ist die zweite Arbeit aus der Reihe "Bild mit Wohnung" entstanden.

Formal scheint sie dem ersten Bild des Zyklus ähneln und ist dennoch vollkommen anders. Das große Querformat dominiert die Stirnseite des Raumes in seiner klaren Tektonik vor blauem Grund. Beer hat ein klassisches Tafelbild geschaffen, dessen Blau als eine Art Rahmen, einer kantigen Begrenzung gleich, fungiert. Der Maler suggeriert ein Fenster, wo keines ist.

Eingelassene Pinselschwingungen

Detlef Beer beginnt sein Bild in der Mitte. Mit ganz stark verdünnter Ölfarbe sind "in das dominante Weiß graue, lasierende Pinselschwingungen eingelassen", wie es zu Beers Maltechnik im Katalog zur Verleihung des Bonner Kunstpreises an ihn heißt. Umfangen werden diese horizontal ausgerichteten Pinselsetzungen vom Blau.
Es entsteht Raumwirkung, ein skulpturenähnlicher Block - eine gemalte, dreidimensional wirkende Plastik in der Fläche.

Aufgelöste Perspektiven

Wie zwei monolithische Türme ragen die oberen Abgrenzungen der weißen Fläche heraus, um uns am unteren Rand mit ihren perspektivischen Brechungen zu irritieren. Die weichen Pinsellasuren in Grau werden durch strenge Geometrie "ausgebremst" - die scheinbar klare Perspektive mit einer weiteren, unerwarteten Brechung ironisch aufgelöst. Beer spielt mit gewohnten Blickachsen und erwarteten Konstellationen. Er zwingt unser Auge auf Fluchtlinien, die dann absichtlich nicht aufgehen. Dabei kommt ihm das seitlich einfallende Tageslicht zu Hilfe, wenn neue Schattenlinien die Wahrnehmung abermals verändern.

Überschrittene Horizonte

Der Künstler führt uns mit dieser Arbeit an den Horizont und darüber hinaus. Er zeigt Grenzüberschreitungen, wobei er wie wir wissen, dass der Mensch physisch den Horizont nicht überwinden kann. Aber für den Geist sind Zeit und Raum keine Hindernisse, die Horizontlinie im Raum ist ohnehin nur eine optische Täuschung. Da stellt sich die Frage nach dem Anfang und dem Ende der Dinge, nach unserem Ort und Standpunkt. Es ist ein Spiel, bei dem der Künstler Regie führt; sei es in der 5-Zimmer-Wohnung in der Lutfridstraße oder anderswo.

Dr. Barbara Hausmanns