VII. Lotharstraße 115, Bonn Kessenich, 2 Zimmer, Küche, Diele, Bad

Detlef Beer ist es mit der Projektreihe „Bild mit Wohnung“ in bisher 7 Arbeiten gelungen, eine Beziehung zwischen Raum und Bild herzustellen. Er hat dabei ungewohnte Perspektiven geschaffen, eingeübte Raumwahrnehmungen verändert und Sehgewohnheiten auf den Kopf gestellt. In der Lotharstraße 115 zeigt uns der Künstler einen für die Reihe neuen Bildtypus, der mit besonderer Dynamik zum Raum korrespondiert und zugleich von ihm wegführt.
Wege durch den Flur
Ein großes, gelbgrundiges Querformat hängt im Flur der frisch renovierten 2-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad. Erstmals wählt Detlef Beer einen Ort, den man weniger als eigenen Lebensraum, sondern eher in seiner Verteilerfunktion innerhalb des Appartements wahrnimmt. Alle Wege gehen über ihn, kein Zimmer ist ohne das Betreten des Flures erreichbar. Hier findet Begegnung und Dynamik statt, die der Maler in seinem Werk einfängt. Gitterartig ziehen lange Pinselbahnen sich kreuzend durch das Bild. Die Funktion und Bestimmung des Flurs als Verteiler spiegelt sich in der Bewegung des Gemäldes in den Raum.
Warme, fließende Farben
Wie eine Herbstreflexion wirkt die Farbwahl des Künstlers. Rot-braune, körperhafte Töne waren lange Zeit im Werk von Detlef Beer ausgeblendet. Jetzt finden sie wie selbstverständlich ihren Platz im Gemälde, zusammen mit warmem Gelb, das an manchen Stellen fast schlaglichtartig wirkt. Zugleich gibt es bewusste Auslassungen; Setzungen, die Beer schon bei der Behandlung des extrabreiten Pinsels plant. So holt der Künstler aus dem Repertoire seines langen Schaffens vermeintlich Vertrautes hervor, um auf eine neue Raumsituation mit einer anderen Bildform reagieren zu können.
Veränderte Einblicke
Im Sinne der Projektreihe zeigt uns Detlef Beer, wie vielfältig seine künstlerischen Mittel sind. Wir sollten nicht auf das Gewohnte warten, sondern den Blick immer wieder für das Überraschende öffnen und die Veränderung der Wahrnehmung zulassen.