V. Nordstraße 112, Bonn-Nordstadt (Altstadt), 2.OG mitte, 1 Zimmer, Küche, Bad
Halbzeit und Überraschung
Detlef Beer hat seine 5. Wohnung auf Zeit bezogen - kurz vor der Sommerpause. Jetzt ist Halbzeit des Projektes „Bild mit Wohnung“, und der Künstler überrascht uns gleich mit zwei neuen Kunstwerken in einem Appartement. Die erste kleinformatige Arbeit in der Küche nimmt man noch – gar nicht so sehr erstaunt – zur Kenntnis. Doch dann beginnt ein kleiner Rundgang über den Balkon ins Wohnzimmer, wohin Beer uns führt. Und dort hängt das zweite, scheinbar identische Bild wie eine Spiegelung des anderen. Rücken an Rücken – nur durch eine Wand getrennt. Die Überraschung ist gelungen.
Gleich, aber nicht identisch
Die Arbeiten sind gleichzeitig nebeneinander entstanden, doch es sind keine Kopien. Der typische, zartgraue Pinselschwung der Bildmitte ist nicht vollkommen nachzuahmen. Auch der grüne „Bildrahmen“ ist ähnlich, aber nicht gleich. Jedes Werk hat seine eigene Dynamik trotz großer Parallelen. Mit der Wohnung in der Nordstraße hat Detlef Beer die Idee der „Zwillingsbilder“ schnell verknüpft – so wie er eigentlich immer den ersten entscheidenden Impuls, den er in der Wirkung eines neuen Ambientes in dieser Projektreihe umgesetzt hat. Doch obwohl die Lösung für ihn schnell auf der Hand zu liegen scheint, nimmt sich der Künstler dennoch einige Tage Zeit bis zur endgültigen Umsetzung. Dieser Reifungsprozess ist ein Teil seiner Arbeit.
Die Wand in der Mitte
Detlef Beer versteht seine beiden Bilder als ein einziges Werk, das man aber nicht gleichzeitig sehen kann. Die eine Arbeit ist immer die Erinnerung der anderen, die man gerade nicht betrachtet. In dieser abstrakten Dopplung führen sie uns zu dem, was zwischen ihnen liegt: zur Wand. Der Künstler betont damit den eigenen Charakter der Wand, die architektonische Struktur der Wohnung. So macht Detlef Beer aus zwei Räumen ein einziges großes „Bilderzimmer“ und treibt die Idee der Projektreihe bis zum Äußersten, ganz ernst und humorvoll zugleich.
Dr. Barbara Hausmanns